Warum hat eine Stunde 60 Minuten?
Eine Stunde hat 60 Minuten, weil die Astronomen der Antike mit dem Sexagesimalsystem der Babylonier rechneten: Ptolemäus teilte im 2. Jahrhundert jeden Grad des Kreises in 60 „erste kleine Teile“ und diese wiederum in 60 „zweite kleine Teile“. Als im 14. Jahrhundert mechanische Uhren aufkamen, übernahmen die Uhrmacher diese Teilung für die Stunde.
Das Zahlensystem der Sumerer und Babylonier
Die Sumerer in Mesopotamien schrieben bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. Zahlen in einem System zur Basis 60, das die Babylonier übernahmen und für ihre Astronomie ausbauten. Die 60 hat gegenüber der 10 einen praktischen Vorteil: Sie lässt sich durch 1, 2, 3, 4, 5, 6, 10, 12, 15, 20 und 30 ohne Rest teilen. Halbe, Drittel, Viertel, Fünftel und Sechstel einer Stunde ergeben deshalb ganze Minuten – 30, 20, 15, 12 und 10. Mit 100 Minuten pro Stunde wären ein Drittel und ein Sechstel keine ganzen Zahlen mehr.
Die babylonischen Astronomen führten in Keilschrifttafeln Positionen von Sonne, Mond und Planeten als Bruchteile zur Basis 60. Diese Schreibweise gelangte über griechische Gelehrte wie Hipparch (2. Jahrhundert v. Chr.) in die hellenistische Wissenschaft, während der Alltag in Griechenland und Rom weiter mit Zehnern und Zwölfern rechnete.
Ptolemäus und die „pars minuta prima“
Im Almagest, seinem astronomischen Hauptwerk aus der Zeit um 150 n. Chr., rechnete Claudius Ptolemäus Winkel und Zeiten konsequent sexagesimal. Der Vollkreis hatte 360 Grad, jeder Grad zerfiel in 60 kleine Teile, jeder dieser Teile wieder in 60. In den lateinischen Übersetzungen des Mittelalters hießen diese Stufen pars minuta prima (erster verkleinerter Teil) und pars minuta secunda (zweiter verkleinerter Teil) – daraus wurden die Wörter Minute und Sekunde. Wie sich die Begriffe sprachlich entwickelt haben, zeigt die Seite Woher kommt das Wort Minute?; die ursprüngliche Winkelbedeutung lebt in der Bogenminute weiter.
Zunächst galt diese Teilung nur für Winkel und für astronomische Rechnungen. Auf Sonnenuhren und Wasseruhren des Altertums gab es keine Minuten; die Stunde selbst war die kleinste praktisch messbare Einheit, und ihre Länge schwankte mit der Jahreszeit, wie die Seite Warum hat ein Tag 24 Stunden? beschreibt.
Die mechanische Uhr macht die Minute alltagstauglich
Räderuhren mit Hemmung sind in Europa seit dem frühen 14. Jahrhundert belegt; sie schlugen zunächst nur die vollen Stunden. Weil ihr Gang gleichmäßig war, konnten Uhrmacher die Stunde erstmals in gleich lange Abschnitte teilen, und dafür lag die aus der Astronomie bekannte Sechzigerteilung nahe. Minutenzeiger blieben trotzdem lange selten: Erst die Pendeluhr, die Christiaan Huygens 1656 entwickelte, lief genau genug, dass ein Minutenzeiger einen Sinn ergab. Von da an verbreiteten sich Zifferblätter mit 60 Minutenstrichen, und ab dem 18. Jahrhundert auch Sekundenzeiger.
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| 3. Jahrtausend v. Chr. | Sumerer schreiben Zahlen zur Basis 60 |
| ab etwa 1800 v. Chr. | Babylonische Astronomie rechnet mit Sexagesimalbrüchen |
| 2. Jahrhundert v. Chr. | Hipparch nutzt die Gradteilung des Kreises in der griechischen Astronomie |
| um 150 n. Chr. | Ptolemäus teilt im Almagest den Grad in 60 und 3.600 Teile |
| 12./13. Jahrhundert | Lateinische Übersetzungen prägen „pars minuta prima“ und „pars minuta secunda“ |
| frühes 14. Jahrhundert | Erste mechanische Räderuhren in europäischen Städten |
| 1656 | Pendeluhr von Huygens: Genauigkeit reicht für Minutenzeiger |
| 1793–1795 | Frankreich versucht die Dezimalzeit mit 100 Minuten pro Stunde |
| 1967 | Die Sekunde wird über die Cäsium-Schwingung definiert; Minute und Stunde bleiben Vielfache davon |
Warum nicht 100 Minuten?
Der Versuch wurde gemacht: Die Französische Revolution führte 1793 die Dezimalzeit mit 10 Stunden zu je 100 Minuten ein. Sie scheiterte nach zwei Jahren, weil alle Uhren ersetzt worden wären und der Nutzen im Alltag gering blieb. Für Abrechnungen hat sich stattdessen ein Nebeneinander durchgesetzt: Uhren zeigen 60 Minuten, Stundenzettel rechnen oft in Industrieminuten, also Hundertsteln der Stunde.
- Minuten pro Stunde
- 60
- Sekunden pro Stunde
- 3.600
- Teiler der 60
- 1, 2, 3, 4, 5, 6, 10, 12, 15, 20, 30, 60
- Almagest
- um 150 n. Chr.
- Pendeluhr
- 1656
Die Sekunde ist heute die Basiseinheit der Zeit. Das Internationale Einheitensystem (BIPM, SI-Broschüre, 9. Auflage, 2019) definiert sie über 9.192.631.770 Schwingungen des Cäsium-133-Atoms und führt Minute, Stunde und Tag als zugelassene Einheiten außerhalb des SI: 1 min = 60 s, 1 h = 3.600 s, 1 d = 86.400 s. Wie viele Sekunden ein ganzer Tag hat, rechnet die Seite Wie viele Sekunden hat ein Tag? vor. Weitere Hintergründe finden Sie in der Übersicht Zeitwissen.
Wer hat die 60-Minuten-Stunde erfunden?
Niemand hat sie an einem Tag festgelegt: Das Zahlensystem stammt von den Sumerern und Babyloniern, die Teilung in 60 und 3.600 Teile von Ptolemäus (um 150 n. Chr.), und die Uhrmacher des 14. bis 17. Jahrhunderts übertrugen sie auf die Stunde.
Warum hat die Minute 60 Sekunden?
Aus demselben Grund: Ptolemäus teilte jeden „ersten kleinen Teil“ noch einmal in 60 „zweite kleine Teile“, die späteren Sekunden. Mechanische Uhren übernahmen auch diese Stufe, sobald sie genau genug liefen.
Gibt es Zeitsysteme ohne 60er-Teilung?
Ja, die französische Dezimalzeit von 1793 bis 1795 und die Industriezeit mit 100 Industrieminuten pro Stunde, die in vielen Zeiterfassungssystemen verwendet wird.