Dezimalzeit: 10 Stunden mit je 100 Minuten
Die Dezimalzeit teilt den Tag in 10 Stunden zu je 100 Minuten zu je 100 Sekunden, also in 100.000 Dezimalsekunden statt 86.400 gewöhnlicher Sekunden. Frankreich führte sie 1793 per Dekret ein und setzte sie 1795 wieder aus; 12:00 Uhr mittags entspricht in diesem System exakt 5:00:00.
Dezimalzeit-Umrechner
Jetzt: 12:00:00 Uhr entspricht 5:00:00 Dezimalzeit.
So rechnet man Dezimalzeit um
Beide Systeme beschreiben denselben Tag, nur mit unterschiedlich vielen Einheiten. Ein gewöhnlicher Tag hat 86.400 Sekunden, ein Dezimaltag 100.000 Dezimalsekunden. Eine Dezimalsekunde ist deshalb 0,864 gewöhnliche Sekunden lang, eine Dezimalminute 86,4 Sekunden und eine Dezimalstunde 2 Stunden 24 Minuten.
Dezimalsekunden = Sekunden seit Mitternacht ÷ 0,864
Beispiel 8:30 Uhr: 8 × 3.600 + 30 × 60 = 30.600 Sekunden. Geteilt durch 0,864 ergibt 35.416,67 Dezimalsekunden, also 3 Dezimalstunden, 54 Dezimalminuten und 16 Dezimalsekunden – geschrieben 3:54:16. Umgekehrt entspricht die Dezimalzeit 7:50 der Zahl 75.000, multipliziert mit 0,864 sind das 64.800 Sekunden oder 18:00 Uhr.
| Uhrzeit | Sekunden seit Mitternacht | Dezimalzeit |
|---|---|---|
| 0:00 Uhr | 0 | 0:00:00 |
| 6:00 Uhr | 21.600 | 2:50:00 |
| 8:30 Uhr | 30.600 | 3:54:16 |
| 12:00 Uhr | 43.200 | 5:00:00 |
| 15:45 Uhr | 56.700 | 6:56:25 |
| 18:00 Uhr | 64.800 | 7:50:00 |
| 23:59:59 Uhr | 86.399 | 9:99:98 |
Geschichte: Dekret 1793, Ende 1795
Der Nationalkonvent beschloss am 5. Oktober 1793 den Republikanischen Kalender mit zwölf Monaten zu je 30 Tagen und Dekaden statt Wochen. Das Dekret vom 24. November 1793 (4. Frimaire des Jahres II) legte in Artikel XI zusätzlich fest, dass der Tag von Mitternacht bis Mitternacht in zehn Teile, jeder Teil in zehn und so fort bis zur kleinsten messbaren Einheit geteilt werden sollte. Uhrmacher fertigten daraufhin Zifferblätter mit zehn Stunden, oft mit einem zweiten Ring für die alte Teilung, weil niemand die vertraute Zeit im Kopf umrechnen wollte.
Die Umstellung scheiterte an den Kosten und am fehlenden Nutzen: Jede Turm-, Taschen- und Standuhr hätte ersetzt werden müssen, und der Alltag gewann nichts. Am 7. April 1795 (18. Germinal des Jahres III) setzte der Konvent die Pflicht zur Dezimalzeit aus; der Republikanische Kalender blieb bis Ende 1805 in Kraft. Ein zweiter Anlauf der Kommission um Henri Poincaré, die 1897 eine Teilung des Tages in 24 Stunden zu 100 Minuten prüfte, wurde 1900 ohne Ergebnis beendet. Warum sich die Sechzigerteilung so hartnäckig hält, erläutert die Seite Warum hat eine Stunde 60 Minuten?.
- Dezimaltag
- 10 h × 100 min × 100 s = 100.000 s
- Dezimalstunde
- 2 h 24 min
- Dezimalminute
- 86,4 s
- Dezimalsekunde
- 0,864 s
- Pflicht in Frankreich
- 24. November 1793 bis 7. April 1795
Was von der Dezimalzeit geblieben ist
Im Alltag hat sich die Dezimalteilung nicht für die Uhrzeit, wohl aber für Zeitspannen durchgesetzt: Zeiterfassungssysteme rechnen mit Industrieminuten, also Hundertsteln einer gewöhnlichen Stunde, und Stundenzettel weisen 7 Stunden 45 Minuten als 7,75 aus. Der Unterschied zur französischen Dezimalzeit: Die Stunde bleibt 60 Minuten lang, nur ihre Bruchteile werden dezimal notiert. Wie diese Umrechnung geht, zeigt der Rechner Minuten in Dezimalstunden. Auch die Astronomie nutzt mit dem Julianischen Datum Tagesbruchteile in Dezimalschreibweise, und die Schweizer Uhrenindustrie schlug 1998 mit der „Internet-Zeit“ eine Teilung des Tages in 1.000 Einheiten vor, die sich ebenfalls nicht durchsetzte.
Wer sich für weitere gescheiterte und gelungene Reformen der Zeitmessung interessiert, findet unter Zeitwissen etwa die Geschichte der Schaltsekunde und die Regeln des Schaltjahrs.
Wie viele gewöhnliche Minuten hat eine Dezimalstunde?
144 Minuten, denn 86.400 Sekunden ÷ 10 = 8.640 Sekunden = 2 Stunden 24 Minuten.
Warum ist die Dezimalzeit gescheitert?
Weil alle vorhandenen Uhren unbrauchbar geworden wären und die Bevölkerung im Alltag keinen Vorteil sah. Der Konvent setzte die Pflicht nach knapp anderthalb Jahren aus.
Gibt es die Dezimalzeit heute noch irgendwo?
Als Uhrzeit nirgends. Dezimale Bruchteile von Stunden und Tagen sind aber in der Zeiterfassung (Industrieminuten) und in der Astronomie (Julianisches Datum) üblich.